In Hamburg leben derzeit ca. 3800 Menschen auf der Straße

 

Der Wohnungslosenbericht, den das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen am 15. Juli 2024 veröffentlichte, zeigt die dramatisch wachsenden Zahlen der wohnungs- und obdachlosen Menschen auf. Dafür wurden die betroffenen Personen über Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe und weitere Einrichtungen des Hilfesystems kontaktiert und Befragungen zu ihrer aktuellen Situation durchgeführt.

 

 

Die Studie ergab, dass in Hamburg derzeit 3.787 Menschen auf der Straße leben. Die letzte Studie, die in Hamburg zum Thema Obdachlosigkeit durchgeführte wurde, ist aus dem Jahr 2018. Damals wurde die Zahl der obdachlosen Menschen mit Hilfe statistischer Hochrechnungen auf 1.910 geschätzt. D.h. es leben derzeit fast doppelt so viele Menschen auf der Straße wie noch 6 Jahre zuvor.

 

 

Hinzu kommt, dass es schlichtweg unmöglich ist, eine genaue Anzahl von Obdachlosen in Hamburg zu benennen, denn nicht alle Obdachlosen sind z. B. beim Sozialamt oder dem Arbeitsamt registriert. Auch besuchen nicht alle von ihnen Tagesstätten oder lassen sich befragen. Eine große Anzahl der wohnungslosen Menschen lehnen Befragungen kategorisch ab. Sie haben eine "Barriere" gegenüber Behörden errichtet, halten sich illegal in Deutschland auf oder haben eine hohe Schamgrenze entwickelt. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass die Dunkelziffer der obdachlosen Menschen noch einmal wesentlich höher ausfällt.

 

 

Die Studie enthält neben der Anzahl an obdachlosen Menschen auch Daten zu soziodemografischen Begebenheiten und Dauer der Obdachlosigkeit für ganz Deutschland.

 

Im Vergleich zur Studie 2018 liegt der Anteil an obdachlosen Menschen, die sich dem weiblichen Geschlecht zuordnen, relativ unverändert bei 20%. Vier von fünf obdachlosen Menschen sind demnach Männer.

 

Bei der Staatsangehörigkeit der auf der Straße lebenden Menschen ist im Vergleich zur Studie 2018 ein großer Unterschied zu erkennen. Demnach hat sich der relative Anteil von obdachlosen Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit von 36% auf 64% erhöht. Unter den Menschen, die auf der Straße leben und eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit haben, sind 66% aus anderen EU-Ländern, insbesondere aus Polen (32,2%), Rumänien (14,1%) und Bulgarien (6,8%)*. Darüber hinaus sind viele Menschen mit ukrainischer (9,2%) und syrischer (5,1%) Staatsbürgerschaft betroffen.

 

*Bezogen auf die Gesamtzahl der obdachlosen Menschen mit nichtdeutscher Staatsbürgerschaft in DEU.

 

 

Fast 40% der obdachlosen Menschen leben bereits seit 1-5 Jahren auf der Straße und zusätzliche 26% länger als 5 Jahre.

 



Zahlen: Bundesweit

 

Dieselbe Studie des statistischen Bundesamtes in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) gibt zusätzlich Aufschluss über die Situation der Wohnungslosigkeit in ganz Deutschland und beinhaltet alle Formen der Wohnungslosigkeit. Laut der Studie ist eine Person wohnungslos, wenn für sie keine Wohnung zur Verfügung steht oder die Nutzung einer Wohnung weder durch einen Mietvertrag oder einen Pachtvertrag abgesichert ist.

 

 

Dem BMWSB zufolge, sind 531.600 Menschen in Deutschland wohnungslos. Davon sind 439.500 im System der Wohnnotfallhilfe untergebracht, 47.300 sind obdachlos (im Bericht als wohnungslosen Personen ohne Unterkunft bezeichnet) und 60.400 sind verdeckt wohnungslosen Personen (z.B. Menschen, die bei Freunden übernachten). Allerdings sind die Daten für die letzten beiden Gruppen, die die Zielgruppe unserer Arbeit darstellen, nur geschätzt.